Die Kettwichte

Kettwig Kurier 21. September 2013

Kettwichte begeistern

Premiere des neuen Programms „Früher war alles besser“

Vor fast einem halben Jahrhundert gründete Dr. Ernst König „Die Kettwichte“, die bald zu einer festen Größe wurden. Internationale Tourneen und Preise wie 2006 „Essens Beste“ zeugten von der Bedeutung des Ensembles weit über die Grenzen der Stadt hinaus. Mit dem Ruhestand der vierten Leiterin, Monika Kleinholz, stellte sich die bange Frage: Wer nimmt die Last der Verantwortung auf sich und tritt die Nachfolge an? Die Rettung kam unverhofft: Marco Geiger, Student und Ex-Kettwicht bot sich an und wurde von Latein- und Geschichtslehrer Christian Reindl dabei unterstützt. Am Freitagabend war es nun so weit: Premiere der fünften Kettwichte-Generation. Was dann im vollbesetzten Alten Bahnhof passierte – so viel sei vorweggenommen – übertraf alle Erwartungen.kettwichte 2

Zunächst erschienen sie wie gewohnt: Im „Opening“ standen die 12 Schülerkabarettisten im klassischen Outfit (Jeans mit blauem T-Shirt) auf der Bühne und warfen sich in bester Kettwichte-Manier die verbalen Bälle des Allzumenschlichen zu. Sprachlich fit, textsicher und schauspielerisch glänzend, so wie man es vom großen Namen des Ensembles erwartet. Schon hier fielen Breite und Aktualität des Themenspektrums ins Auge. Die Absurdität mancher Zeiterscheinungen (Dein iPhone als einzig verlässlicher Lebenspartner), die Entlarvung der Machenschaften deutscher Rüstungsindustrie und -politik und natürlich – wie könnte es anders sein eine Woche vor der Wahl – bekam die Bundeskanzlerin kräftig ihr Fett weg. Überzeugend: alle Texte lagen im Horizont heutiger Schüler und wirkten so völlig glaubwürdig. „Feminismus ist wie Essen bei Oma, viel zu viel und aufgezwungen.“ Dies als Beispiel für den zielsicheren Sprachwitz der Texte.

Ganz neu und äußerst stimmig die Musik: Zwei äußerst versierte Instrumentalisten an Klavier und Gitarre reichten aus, um eine weite Palette zu entspannen. Von der Mondscheinsonate bis zum Ragtime, von Rockadaptionen bis zur Lagerfeuerromantik. Es gelang, das, was die Schüler an Musikalischem mitbringen, zu sichten, zu sammeln und in ein kabarettistisches Ganzes zu integrieren. Überhaupt geht es bunt zu bei den neuen Kettwichten. Kostümwechsel, choreografische Effekte, wenige, aber gekonnte Videoeinspielungen geben viel her fürs Auge. Eine der ganz großen Nummern: „Das Hochfeldlied“ Die Darstellung der Misere um das Problem der rumänischen Einwanderer tat das, was Kabarett leisten muss: unbequeme Wahrheiten zeigen, ohne eine Lösung anzubieten; betroffen machen und uns zum Grübeln bringen.

Stellt sich noch die Frage, was aus Lehrer Kleffki und seinen Kollegen geworden ist. Die mit ihrer Lehrerexistenz hadernden Pädagogen gibt es nicht mehr. Stattdessen aber Hausmeister Schimanski, der die Innensicht auf die Lehranstalt aus seiner Loge heraus ermöglicht.

Der fünfte Spross der Kettwichte-Familie tritt seinen Weg mit aller Kraft der Jugend an. Der frenetische Applaus am Ende zeigte, welche Begeisterung er beim Publikum entfesselt. gost

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